Ausstellungen

HOT

      

C-Prints auf Alu-Dibond, 70×85 cm

„Hot by OP“ sucht den Gegensatz zu Nightmare II und berichtet nach der Isolation und der Kälte nun von der Wahrnehmung eines heißen, sommerlichen und beliebten Urlaubslandes in Südostasien.

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Nightmare II

»Fotos, die eine Tonart höher pfeifen«

  

C-Prints auf Alu-Dibond, 70×100 cm

Eingangs möchte ich die These in den Raum stellen, dass die hier gezeigten Bilder etwas mit der Krisenhaftigkeit der fotografischen Bildform zu tun haben. Was es damit auf sich hat, werde ich im Verlauf meiner einführenden Worte zu belegen versuchen. Beginnen wir jedoch mit der apodemischen Dimension des Projektes, also dem Aspekt der Reise und des Unterwegsseins. In gewissem Sinne fallen die Ausstellungsexponate – das was hier jetzt pars pro toto gezeigt wird – in den Bereich der geografischen Beschreibung. Genauer gesprochen handelt es sich um eine Kulturgeografie ohne Text. Ein zentrales Anliegen dieses »fotografischen Fahrtenbuches« ist die Abbildung von unvorhersehbaren Ereignissen und Begegnungen. Das ganze Unternehmen ist strenggenommen auf Begegnungen dieser Art angelegt, wozu sollte man sonst eine Route durch Territorien wählen, wo sich Fuchs und Igel gute Nacht sagen? Von vorn herein war die Tour mit dem Aspekt der Suche nach inspirierenden Begegnungen verbunden. Das zeigt sich besonders an der hohen Zahl der entstandenen Fotos insgesamt – ca. 4000 – was mit der Befürchtung zu tun haben dürfte, man könne etwas übersehen. Schließlich haben die Drei das – in Anbetracht der Reisekosten – hohe Risiko in Kauf genommen, im schlechtesten Fall ohne bildnerisches Ergebnis zurückzukehren. Dieses Risiko muss als zusätzlich erhöht eingestuft werden, da die Reise absichtsvoll unter erschwerten Bedingungen unternommen wurde: Dunkelheit, Kälte, Niederschläge, Isolation. Würde diese Reisepraxis Schule machen, so würde diese Art des Unterwegseins ganz sicher als touristische Extremsportart eingestuft, wie z.B. Katastrophentourismus, Sextourismus usw. An diesem Aspekt wird allerdings der experimentelle Charakter der Rundreise wunderbar deutlich. Denn es war ein erklärtes Ziel der Unternehmung, herauszufinden, ob eine zeitweilige Verlegung der Aufmerksamkeit in die Ruhezone der Nacht die von der Großstadt beeinflussten Sinne wiederherstellen kann,
sozusagen wieder »auf Null« stellen kann. Denn wie die Singvögel der Stadt, pfeifen
schließlich auch wir unsere Lieder eine Tonart höher als Artgenossen auf dem Land. Unser Wahrnehmungsapparat hat sich auf das lärmige Alltagsgeschäft eingestellt und verlässt man diese gewohnte Umgebung einmal, so braucht es Zeit, bis die Sinne adaptieren. Insofern war das häufige Betätigen des Auslösers gewiss eine Kompensation der zunächst eingeschränkten Sinne gegenüber feinsinnigen Begegnungen, denen man anfangs nur ungenügend entgegentreten konnte. »Falls uns das Glück über den Weg läuft sehen wir es vielleicht nicht, denn es ist ja zapfenduster!« Von daher erinnern die Fotos, so wie sie jetzt hier museal inszeniert sind, an die Mitbringsel der Seefahrer und Entdecker der Renaissance. Auch diese
nahmen mit, was sie tragen konnten, denn während der Exkursion bestand kaum Gelegenheit, die Fundstücke auszuwerten. Viele der exotischen Gegenstände aus überseeischen Gebieten wurden erst in musealer Präsentation in der alten Heimat in ihrer kulturellen Funktion und eigentlichen Tragweite erkannt. Viele bemerkenswerte Details der hier ausgestellten Aufnahmen haben sich erst in der Auswertungsphase im Studio gezeigt. Der damit verbundene zugegeben skurrile Gedanke, wie schön es wäre, wenn man einen Fotoapparat in seine Träume mitnehmen könnte und anschließend über entsprechende Fotos verfügte, war immerhin titelgebend.
Und wie ich bereits angedeutet habe, trägt das Projekt thematisch die Krisenhaftigkeit des fotografischen Bildes vor sich her. Es finden sich nämlich gleichzeitig Motive aus dem Bereich des Selbstkritischen und aus dem Bereich des Selbstbewussten darin. Das wird besonders gut deutlich an dem Kriterium der Unschärfe, das für den überwiegenden Teil der Fotos erfüllt ist. Vergleicht man dieses Merkmal mit den Produktmerkmalen der Praxis des Berufsfotografen, merkt man schnell, dass unterschwellig die Vertrauensfrage gestellt ist. Das Verschwimmen der fotografischen Form, was im ersten Moment wie eine Beleidigung der Augen wirkt, eine Verweigerung, eine Provokation, ist in Wirklichkeit eine intendierte Verabschiedung falscher Wahrheitsprädikate. Hochbrillante Modefotografien oder Architekturaufnahmen stehen hier unscharfen, wenig erzählerischen, teils kryptischen Bildern gegenüber. Es ist eine Analogie zum Verlassen der Stadt erkennbar. Gerade beim Betrachten der unscharfen Einzelportraits der Reisenden zeigt sich eine Begeisterung am Kryptischen, was sich offenbar auf der Ebene der Fototechnik ergibt. Bei Einhaltung aller Regeln erreicht man relativ zuverlässig immer wieder die brillanten, scharfen und gut ausgeleuchteten Ergebnisse, so wie sie im Allgemeinen von
Berufsfotografen erwartet werden, doch wenn das Pendel in die andere Richtung ausschlägt, dann gerät man in ein definitorisches Niemandsland. {…} Selbstkritik des Fotografen ist das Selbstbewusstsein von der Krise, die die Fotografie selbst verkörpert. {…} Fotografie verkörpert eine Krise des Bildhaften. Fotografie ist keine technische Entwicklung, keine Bewegung oder gar Errungenschaft, sondern ein Schicksal. Es ist das Schicksal des Bildhaften. Es ist nicht entschieden, wie dieses Schicksal im Nachhinein zu bewerten sein wird. Die Ausstellung NIGHTMARE II zeigt eine mögliche Weise, dieser Schicksalhaftigkeit entgegenzutreten, sie mitzugestalten und sie an ihre Grenzen zu führen.

Laudatio zur Fotoausstellung Nightmare II · Berlin 15. 05. 2010 · von Jan Christoph Böhme

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Nightmare I

    

gerahmte C-Prints, 30×30 cm

Ein situationistischer Spaziergang im April 2008. Berlin. Von innen nach außen. Vom Zentrum bis zum Stadtrand. Zwei Nächte im April. Berlin ohne Ziel. Erwartungsvoll – Wahrnehmung. Stimmungen intensiv Offenheit und Erstaunen. Einfach losgehen. Nach Norden. Oder Nord/Ost. 2008.

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Die Hühner

Rauminstallation, 3 geteiltes Plakat, 120×200 cm, frei im Raum

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Moskau’99 – eine schwarz / weiß Dokumentation

         

Barythandabzüge, 50×50 cm

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